Über die „Empfehlungen zur Stärkung der sorbischen Minderheit"

Ein Gesamtkonzept zur Förderung der sorbischen Sprache und Kultur

EJM Vol.2 No. 4 2010


Matthias Theodor Vogt

Das sorbische Volk mit Siedlungsgebieten in Sachsen und Brandenburg ist eine autochthone Minderheit mit eigener Sprache und Kultur. Gemeinsam mit Friesen, Dänen sowie Sinti und Roma zählen die Sorben zu den vier anerkannten nationalen Minderheiten Deutschlands. Das kulturelle Leben der ca 60.000 Sorben wird mit öffentlichen Zuschüssen, insbesondere durch den Bund und die beiden Länder Sachsen und Brandenburg, gefördert.
Empfänger der Zuschüsse ist die Stiftung für das sorbische Volk. Als gemeinsames Instrument und eigenständige Stiftung des öffentlichen Rechts nimmt sie die im Einigungsvertrag und den Verfassungen des Freistaates Sachsen und des Landes Brandenburg begründete und durch den Staatsvertrag über die Gründung der Stiftung für das sorbische Volk vom 28.08.1998 detaillierte Aufgabe der Förderung des Erhalts, der Pflege und Verbreitung der sorbischen Sprache, Kultur und Tradition war; näher geregelt durch die Satzung der Stiftung und Förderrichtlinien.
Die Stiftung für das sorbische Volk sieht sich seit Jahren konfrontiert mit einem sinkenden Zuschussvolumen. Während im Jahr 1998 noch 16.362 T zur Verfügung gestellt wurden, waren es im Jahr 2008 trotz ständig steigender Kosten nur noch 15.629 T.
Die Stiftung ist aus diesem Grund immer weniger in der Lage, die aktuelle Infrastruktur auf dem Gebiet der sorbischen Sprache und Kultur aufrecht zu erhalten. Im Mai 2008 hat sie daher einen Vertrag mit dem Institut für kulturelle Infrastruktur Sachsen (IKS) abgeschlossen, der die Aufgabenstellung des IKS wie folgt umreißt:

Es ist ein Gesamtkonzept zur Förderung der sorbischen Sprache und Kultur unter Einbeziehung der Zielstellungen und dementsprechenden Strukturen aller sorbischen Einrichtungen wie auch der Projektförderung zu erarbeiten, wobei vom aktuellen Stand der geförderten Einrichtungen sowie der Projektförderung und der Vorgaben des Finanzierungsabkommens fü r die Stiftung für das sorbische Volk für den Zeitraum von 2008 bis 2012 auszugehen ist. Ziel des Konzepts ist, Wege des nachhaltigen Erhalts und der Förderung des kulturellen Lebens der Sorben für die Jahre ab 2009 mit den durch das Finanzierungsabkommen zur Verfügung stehenden Mitteln aufzuzeigen.

Dabei zeigte es sich relativ bald, dass mit der Auftragsbeschreibung und dem Auftragsvolumen der Anspruch eines schlüssigen Gesamtkonzepts zur Förderung der sorbischen Zivilgesellschaft, Sprache und Kultur nicht zu realisieren sein würde. Der „archimedische Punkt“, von dem die zu erarbeitenden „Empfehlungen zur Stärkung der sorbischen Minderheit“ würden ausgehen können, musste (und konnte schließlich) erst in einer sorgfältigen Beobachtung europäischer und auch japanischer Minderheiten- bzw genauer gesagt Mehrheitspolitiken gefunden werden. Daher hat das IKS auch, insbesondere über das Collegium PONTES  2008 und 2009, in einer großen Reihe von Arbeitsgesprächen, Symposien und Präsenzaufenthalten der Fellows eine in den Bänden V und VI der Schriften des Collegium PONTES dokumentierte Theorie erarbeitet, die jetzt den „Empfehlungen“ zugrunde liegt. Das IKS geht davon aus, dass sich die Zusammenhänge der „Empfehlungen“ erst aus der Kenntnis der Gedankengänge in den Grundlagenstudien erschließen. Die Ergebnisse der gesamten Forschungsarbeit sind bzw werden in den folgenden Dokumenten veröffentlicht:

1. Matthias Theodor Vogt unter Mitarbeit von Vladimir Kreck, Una Sedleniece, Judit Sauer und zahlreichen internationalen Experten: Gesamtkonzept zur Förderung der sorbischen Sprache und Kultur, Teil I: Ist-Analyse der von der Stiftung für das sorbische Volk geförderten Einrichtungen. Im Auftrag der Stiftung für das sorbische Volk erarbeitet am Institut für kulturelle Infrastruktur Sachsen. Görlitz, den 29. Mai 2009 (292 Seiten).

2. Matthias Theodor Vogt und Vladimir Kreck unter Mitwirkung zahlreicher internationaler Fellows des Collegium PONTES Görlitz-Zgorzelec- Zhorelec: Gesamtkonzept zur Förderung der sorbischen Sprache und Kultur, Teil II: Empfehlungen zur Stärkung der sorbischen Minderheit durch Schaffung eines abgestimmten Selbstverwaltungs-, Kooperations-, Projekt- und Institutionenclusters. Im Auftrag der Stiftung für das sorbische Volk erarbeitet am Institut fu¨ r kulturelle Infrastruktur Sachsen. Go¨ rlitz, den 15. Oktober 2009 (201 Seiten).

3. Matthias Theodor Vogt, Jan Sokol, Dieter Bingen, Jürgen Neyer, Albert Löhr (Herausgeber): Überlegungen zu einer Politik im Interesse der sorbischen Zivilgesellschaft. Teil III der Schriften des Collegium PONTES, Band VI: Minderheiten als Mehrwert. Im Auftrag der Stiftung für das sorbische Volk erarbeitet am Institut für kulturelle Infrastruktur Sachsen als Teil des Gesamtkonzepts zur Förderung der sorbischen Sprache und Kultur. Görlitz, den 15. Oktober 2009 (312 Seiten). Band VI der Schriften des Collegium PONTES (Druckfahnen 588 Seiten) wird voraussichtlich 2010 beim Verlag Peter Lang Bern/Berlin/Bruxelles/Frankfurt a.M./New York/Oxford/Wien erscheinen.

4. Matthias Theodor Vogt, Jan Sokol, Dieter Bingen, Jürgen Neyer, Albert Lo¨hr (Herausgeber): Der Fremde als Bereicherung. Schriften des Collegium PONTES, Band V. Druckfahnen 362 Seiten, wird voraussichtlich 2010 beim Verlag Peter Lang Bern/Berlin/Bruxelles/Frankfurt a.M./New York/Oxford/Wien erscheinen.

Den gesamten Beitrag finden Sie im EJM, Vol. 2, No. 4, 2010

Online Version verfügbar und in folgenden Datenbanken zu finden:

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Gepostet von Tanja Szabo am 19.03.2010. In News. Abonnieren mit RSS 2.0. Sie können Kommentare oder Trackbacks setzen

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